„Cigarettes kill people, mountains can kill people“

Ja, es war kalt. Nicht so kalt wie im Kriegswinter vor Moskau. Ich hatte an, was mein Kleiderschrank hergab. Und es war erträglich. Unerträglich war der Apfelsaft, der mich mitten in der Nacht aus dem Zelt krabbeln lies. Apfelsaft treibt, das wusste die Mama schon immer zu erzählen. Ich genoss den Sternenhimmel und verschaffte mir dabei Erleichterung. Uwe träumte heute Nacht von einem plätschernden Bächlein.

Wir hatten einen Municipalcampingplatz. Purer Luxus. Abends ein Aufenthaltsraum mit Couches, auf die wir uns flätzen konnten. Klodeckel auf den WCs (ja, die gibt es meist nicht), Klopapier, Seifenspender. Wahnsinn. Und Stühle, die wir uns von den abwesenden Nachbarn „geliehen“ haben, um gemütlich auf dem Boden kochen zu können.

Garnelen, gebratenes Gemüse in Sojasahne plus Reis. Das gabs gestern.

Dorfkirche von Aussois. Innen, typisch katholisch, bunt und reich geschmückt.

Blick zurück nach Aussois.

Nach dem Abbau ging es ins Örtchen zum Supermarkt und Bäcker. Hier hauten wir uns richtig die Bäuche voll. Es sollte laut Planung eine schwere Etappe werden.

Alles regional!

Nach unserem Aufbruch kam eine kurze Abfahrt ins Tal und wir stießen auf die D1006, der wir bis Lanslebourg folgten. Ein Verkehrsaufkommen wie in Berlin-Mitte zur Rush Hour. Am schlimmsten waren die Motorräder, welche ekelhaft stanken und zum Teil viel zu laut waren. Auch Autos, die einen Moment hinter uns warten mussten und dann wieder Gas gaben, stanken und staubten uns beim kraftvollen Anfahren voll. Es ging zunächst steil bergauf, gefolgt von einer kurzen Abfahrt. Im Prinzip fuhren wir ab dem Tal 42 Kilometer bergauf.

Ab Lanslebourg bogen wir auf die D902 und es folgten erste Rampen mit bis zu 13 % Anstieg. Bei Kilometer 20 standen wir auf dem Col de la Madeleine, 1746 m. Auch wieder einer der 10 Cols mit diesem Namen, jedoch nicht der berühmteste. Dort trafen wir einen hier heimischen Franzosen, der im Sommer so gut wie jeden Tag mit dem Rennrad die Pässe in der Umgebung erklimmt. Nach einem kurzen Austausch erzählte er uns, dass er gestern den Iseran hoch ist. In der Abfahrt zurück zog es zu, er sah nichts mehr. Es regnete in Strömen und ein kalter Wind gab ihm den Rest. Nach kurzer Abfahrt stoppte ein Wohnmobil und „saved my life“. In diesem Zusammenhang brachte er unser Storyzitat von heute. Fanden wir cool den Spruch und passend. Wir hatten übrigens heute, einen Tag später, Sonne pur. Ein Traumwetter.

Mit Beamingstrahl von Gott. Hat uns knapp verfehlt. Puhh.

Bis Bonneval-sur-Arc ging es in einem wunderschönen Tal gemächlich nach oben.

Bonneval-sur-Arc.

Das erwähnte Tal.

Ab hier waren es noch 13 Kilometer. Und diese waren die schwersten, die ich in den Alpen hochfahren durfte. Unzählige, zum Teil 2 Kilometer lange Stücke mit 13 % Steigung hauten richtig rein. Da ich trotzdem einigermaßen im Rhythmus war, beschloss ich, diesmal bis zum Gipfel durch zu fahren und nicht auf Uwe zu warten. Es boten sich immer wieder phänomenale Blicke. Auch auf Gletscher, die schon mächtig zusammen geschrumpft waren. 3 Kilometer vorm Gipfel schnellte ich in Pulsbereiche, die ich beinahe nicht mehr kannte. Fast 170 Schläge, ausgelöst von einer Rampe mit 13 % fast bis zum Gipfel, dazu eine eisige Russenpeitsche von vorn oben und die einsetzende Erschöpfung. 13:45 stand ich ziemlich erschöpft oben und zog alles an, was ich an warmen Klamotten dabei hatte. Uwe kam kurz vor halb 3 an und meinte, er hatte das Gefühl, es nicht zu schaffen.

Fahrrad vor Panorama. So viel Zeit musste sein.

Hier oben lag noch ziemlich viel Schnee für Anfang August.

Uwe hats geschafft. Mit Motivation der Tourfans auf dem Asphalt.

Wir tranken oben zur Aufwärmung noch einen Tee. Danach ging es in die Abfahrt. Der Plan war, die Etappe heute etwas zu verlängern, da übermorgen 2150 hm geplant sind. Die wollten wir etwas einkürzen. Wir suchten einen Campingplatz am Lac du Chevril heraus, bei Kilometer 68 sollten wir da sein. Am Stausee machten wir Pause mit Baguette, Käse und Wurst. Es war 16 Uhr.

Der Stausee.

Ich hatte die Idee, dass wir doch noch die restlichen Kilometer bis Bourg-Saint-Maurice fahren könnten. Das wären dann zwei Etappen an einem Tag. Vor dem weiteren Hintergrund, dass das Wetter ab Montag umschlagen könnte. Gesagt, getan. Wir rammelten also die Abfahrt herunter. Leider mit mindestens 5 Tunnel, an die ich mich erinnere. Und auch nicht 24 Kilometer wie von Google berechnet, sondern am Ende 29 mit Gegenanstiegen.

Am ersten Campingplatz angekommen sah ich, dass es noch einen anderen Platz weiter unten gab. Mit Pool. Also hin da. Uwe schwamm in Gedanken schon seine Bahnen. „We are full „. Klasse! Also wieder hoch auf den anderen, ohne Pool.

17:45 waren wir da. 99 Kilometer, 1800 hm. Völlig runter mit der Bereifung. Wir entschieden, auf dem Campingplatz zu essen. Kein kochen heute. Es reichte!

Zu allem Überfluss brach beim Zeltaufbau die Stange. Ich habe ein Provisorium dabei, um die Stange zu stützen. Bitte einmal die Stimmung nachempfinden: völlig fertig und dann so eine Kacke. Übermorgen fahren wir durch Charmonix. Dort gibt es einen Decathlon mit hoffentlich dem passenden Ersatzteil. Laut Website ja.

So, reicht für heute. Der Eintrag hat auch den Umfang von 2 Tagen. Der Berg hat uns nicht gekilled. Aber fast. Over and out.

6 Kommentare

  1. Tolle Berichte.
    Wir sind schon immer ganz heiß auf die naechste Etappe.
    Ich glaub ihr erlebt dort Momentan das DING,schlechthin.
    @Uwe
    Absolut stark bis hierher.
    Lars sowieso, er ist halt auch 15 Jahre später dran.
    Macht weiter so…
    Tausend Grüße Mike
    1,2 Übm

  2. Hallo Lars,

    jetzt oute ich mich mal, dass ich deinen Blog immer ganz begeistert lese und deine Etappen im Geiste mit verfolge.
    Fahr vorsichtig und komm gut in Berlin wieder an…genieße die freie Zeit…für uns heißt es an Montag wieder Arbeit nach Plan…ähm…Stundenplan!!! 😉
    LG Marina

    • Hi Marina,

      das höre ich gerne! Im Moment siehts ganz gut aus mit dem Ankommen.

      Ich denk morgen ganz kurz an euch. Gaaaanzz kurz.

      Grüße an alle bitte!

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